Zwielicht (entflammt) für Orgel & Live-Elektronik

Die Komposition

Im Januar 2025 wurde die Komposition „Zwielicht (entflammt)“ für Orgel & Live-Elektronik von Rainer Bürck in der Bielefelder Zionskirche uraufgeführt. Samples von an der Zionsorgel vorab eingespielten und live gespielte Orgelklänge gehen in diesem gut dreiviertelstündigen Werk eine ganz eigene Symbiose ein, sodass eine Art Hyperorgel entsteht, die den ganzen Raum erfüllt und ganz neue Klangräumen entstehen lässt. Ausführende waren Christof Pülsch (Orgel), Rainer Bürck (Live-Elektronik) und Matthias Schneider-Hollek (Klangregie) im Rahmen des Festivals FRAKZIONEN 2025.

Die Idee für die Komposition entstand 2020, nachdem Rainer Bürcks Komposition "in Zungen" für Akkordeon & Live-Elektronik (mit Marko Kassl) beim Festival FRAKZIONEN seine Uraufführung erlebt hatte. In den folgenden Jahren nahm Rainer Bürck verschiedenste Klänge, Sounds und Geräusche der Orgel in der Zionskirche auf und verarbeitete sie in seinem Studio in Bad Urach. So haben alle Klänge des Stücks ihren Ursprung in dieser einen Orgel, und das Ziel des Einsatzes der Technik war immer, die Klangmöglichkeiten der Orgel zu erweitern und mit dem Originalklang zu etwas Neuem zu verschmelzen, sodass am Ende ein neues, größeres, farbigeres Instrument entstehen würde.

Das Stück ist beim Label Earsaymusic auf CD erschienen und auch über https://earsaymusic.bandcamp.com/album/zwielicht-entflammt als digitales Album erhältlich.

Der Komponist

Rainer Bürck (*1953) ist freischaffender Pianist und als Komponist im Bereich der elektroakustischen Musik tätig. Er hat zahlreiche rein akusmatische Werke sowie Werke für verschiedene Solo-Instrumente mit Elektronik geschaffen, die bei internationalen Festivals und internationalen Konzertreihen, so u. a. in Berlin, Göteborg, Kansas City, Edinburgh, New York und Tallinn aufgeführt wurden. Als Pianist hat er sich auf zeitgenössische Musik spezialisiert und ebenfalls bei entsprechenden internationalen Festivals und in Konzertreihen gespielt. Schwerpunkte seiner Arbeit bilden das Trio TRIONYS und verschiedene Improvisationsprojekte.

Zur Rolle der Elektronik (Rainer Bürck)

"Grundsätzlich gilt für alle meine Stücke, die ich für verschiedene Instrumente mit Elektronik komponiert habe: Ich verstehe die Elektronik als Erweiterung des Klangraums des jeweiligen Instruments. Alle Klänge, die man hört, entspringen ursprünglich diesem Instrument und werden durch die Elektronik auf verschiedene Weise transformiert.

In „Zwielicht (entflammt)“ wird die Elektronik auf drei unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig angewendet:

 

Live-Elektronik

Die auf den Orgelmanualen gespielten Klänge der Orgel werden über Mikrophone aufgenommen und digitalisiert in ein komplexes Computerprogramm eingegeben, das ich im Laufe der Jahre entwickelt habe und das diese Klänge (teilweise auch gleichzeitig) auf verschiedene Weise transformieren kann. So kann zum Beispiel das Spektrum eines Klanges verändert werden, sodass sich dessen Klangfarbe ändert. Oder ein Klang kann in kurze Patikel „zerhäckselt“ werden, und diese Partikel können mit unterschiedlichen Tonhöhen wieder ausgegeben werden. Und dergleichen mehr. Dies transformierten Klänge werden über Lautsprecher wieder zugespielt und überlagern sich mit den originalen Orgelklängen.

 

MIDI und Sampling

Zusammen mit Christof Pülsch habe ich viele Klangmaterialien der Orgel aufgenommen. Dabei war ich vor allem an „ungewöhnlichen“ Klängen interessiert. So haben wir viele Klänge mit reduziertem Winddruck aufgenommen, was diese faszinierenden irrlichternden, Zwielicht-artigen Klänge erzeugt. Oder mechanische Geräusche wie das Klappern der Tastatur mit ausgeschaltetem Motor und auch reine Luftgeräusche.

Aus diesen Aufnahmen habe ich viele Samples unterschiedlicher Länge ausgeschnitten und in einem Software-Sampler im Computer gespeichert. Der Organist kann diese Samples mittels zweier MIDI-Keyboards, die er neben seinen Orgelmanualen verwendet, quasi als zusätzliche Register spielen.

Das Spielen eines Samples mit verschiedenen Tasten hat zur Folge, dass dieser gespeicherte Klang verschieden schnell abgespielt wird. Schneller abgespielt kling alles in Zeitraffer und höher, langsamer abgespielt in Zeitlupe und tiefer. So kann aus dem Klappern der Tasten ein bedrohliches Pochen werden. Auch die fahlen Klänge, die mit reduziertem Winddruck aufgenommen wurden, entfalten - abgespielt mit verschiedenen Tasten - völlig unterschiedliche Charaktere.

 

Zuspiel-Parts

An manchen Stellen werden während der Aufführung zusätzliche feste Audiofiles zugespielt, die ich aus den gemachten Aufnahmen angefertigt habe.

 

Raumklang

Die Wiedergabe der durch die auf diesen drei Ebenen erzeugten Klänge erfolgt über ein sechskanaliges Lautsprechersystem. Zwei Lautsprecher stehen auf der Orgelempore. Sie sind für Klänge gedacht, die sich möglichst total mit den Orgelklängen verschmelzen sollen, so dass ein unauflösbarer Gesamtklang entsteht. Vier Lautsprecher sind um das Publikum herum aufgestellt. Sie sind für Klänge vorgesehen, die sich dreidimensional im Raum bewegen sollen."

Für Veranstalter

Ein Aufführung mit Christof Pülsch (Orgel), Rainer Bürck (Live-Elektronik) und Matthias Schneider-Hollek (Klangregie) ist auch an anderen Orten möglich. Details zu Technik und Finanzierung sind über [email protected] zu erfragen.

Klangeindrücke auf https://earsaymusic.bandcamp.com/album/zwielicht-entflammt.

Foto-Eindrücke vom technischen Aufbau